Verschiedene Therapieoptionen im Überblick
Die Therapie bei Psoriasis setzt sich generell aus zwei Komponenten zusammen: der medizinischen Therapie und der Pflege der Haut. Zwar kann die topische Pflege die medizinische Therapie auf gar keinen Fall ersetzen, allerdings sollte sie auch nicht unterschätzt werden, da sie die jeweilige medizinische Behandlung effektiv unterstützen kann. Im Folgenden haben wir eine kleine Therapieübersicht für Sie zusammengestellt, die in drei Säulen untergliedert werden kann:
1. die Lokaltherapie (äußerliche Behandlung)
2. die Bestrahlungstherapie und
3. die systemische (innerliche) Therapie
Welche Therapie für Sie persönlich geeignet ist, sollten Sie mit einem kompetenten Facharzt besprechen.
1. Die Lokaltherapie
Kortikoide
Kortisol, genauer gesagt Hydrokortison, ist ein körpereigenes Hormon. Es verfügt über eine entzündungshemmende Wirkung und spielt eine tragende Rolle im menschlichen Organismus. Äußerlich angewandt, entfalten Kortikoide (Derivate des Kortisols) ebenfalls entzündungshemmende Eigenschaften. Sie hemmen die Freisetzung und das Wachstum von Haut-, Bindegewebs- und Entzündungszellen, führen zur Abschwellung der Hautgefäße und unterdrücken immunologische Prozesse. Viele Patienten haben Vorbehalte gegenüber einer Therapie mit Kortikoiden. Allerdings ist heutzutage bei richtiger Anwendung der modernen Kortikoide in der Regel nichts zu befürchten.
Vorteile:
- Effektiv gegen Juckreiz
- Schnelle Wirksamkeit
- Entzündungen der Haut werden gelindert
- Auch auf dem behaarten Kopf ist meist eine schnelle Besserung des Kopfhautzustandes zu verzeichnen
- Kann gut in Kombination mit einer Lichtbehandlung oder Vitamin D3-Präparaten angewandt werden
Nachteile:
- Es kann zu einer Hautverdünnung kommen
- Eventuell vermehrtes Auftreten von kleinen erweiterten Blutgefäßen
- Leichtere Verletzlichkeit
- Kurzfristige Anwendung, je nach Präparat höchstens 8 Wochen lang
- Bei Anwendung im Gesicht und an den Ohren ist sehr große Vorsicht geboten
Dithranol
Der Wirkstoff Dithranol (auch unter den Namen Anthralin und Cignolin bekannt) wird ausschließlich zur Behandlung von Psoriasis angewandt. Dithranol ist sozusagen der Klassiker unter den Wirkstoffen, denn er wird bereits seit 1916 in der Behandlung von Psoriasis eingesetzt. Dithranol hemmt das Wachstum und die Vermehrung der Hautzellen. Eine leichte Hautrötung ist für die eintretende Wirksamkeit erwünscht und notwendig.
Vorteile:
- Keine langfristigen Nebenwirkungen bekannt
- Die Kombination mit anderen Präparaten ist überwiegend problemlos möglich
- Insbesondere Ölbäder, Kortikosteroide oder UV-Bestrahlung in Kombination
mit Dithranol sind vorteilhaft
Nachteile:
- Es kann zur Reizung der gesunden Haut kommen
- Beim Auftragen können Brennen oder Juckreiz auftreten
- Häufigste Nebenwirkungen sind Hautirritationen, vor allem Rötungen
- Der wohl größte Nachteil ist die rasche Braunfärbung der gesunden Haut und/oder auch der Kleidung, die auf eine chemische Reaktion des Wirkstoffs mit Sauerstoff zurückzuführen ist
Vitamin D3-Analoga
Vitamin D3 wird mit Hilfe von Sonnenlicht in der Haut gebildet. In der Nahrung kommt es z. B. in sogenannten Fettfischen vor oder wird in Form von Nahrungsergänzungsmitteln aufgenommen.
Physiologischerweise hat Vitamin D3 eine wichtige Funktion im Calciumstoffwechsel. In der psoriatischen Haut hemmen Vitamin D3 sowie die synthetischen Vitamin D3-Abkömmlinge Tacalcitol und Calcipotriol die übermäßige Zellteilung und fördern die normale Reifung der Keratinozyten (Hornzellen). Außerdem wirken Vitamin D3-Analoga modulierend auf Entzündungsreaktionen.
Vorteile:
- Im Allgemeinen sehr gut verträglich
- Die Immunfunktion der Haut wird reguliert
- Durch die verlangsamte Zellteilung geht die Schuppung der Haut zurück
Nachteile:
- Zu Beginn der Behandlung kann es nach Anwendung zu leichtem Brennen der Haut kommen
- Einige wenige Patienten vertragen die Medikamente nicht und reagieren dementsprechend mit Hautreizungen
- Einige Vitamin D3-Abkömmlinge dürfen nicht im
Gesicht und Genitalbereich angewendet werden
Tazaroten
Tazaroten ist ein Wirkstoff, der zur Stoffklasse der so genannten Retinoide gezählt wird. Diese sind wiederum vom Vitamin A abgeleitete Substanzen. Tazaroten ist in zwei verschiedenen Konzentrationen (0,05 % und 0,1 %) als Gel erhältlich, muss aber wie fast alle Antipsoriatika vom Arzt verschrieben werden.
Vorteile:
- Wirkt entzündungshemmend
- Reguliert die Hauterneuerung
- Kann auch in Kombination mit Kortikoiden angewendet werden
Nachteile:
- Häufigste Nebenwirkungen sind Brennen und Rötungen der Haut nach Auftragen des Gels
- Medikamente mit diesem Wirkstoff dürfen nicht während Schwangerschaft und Stillzeit angewandt werden
- Nicht anzuwenden im Gesicht, im Genitalbereich und auf dem behaarten Kopf sowie in Körperfalten
- Es können nur kleinere Hautpartien behandelt werden
Steinkohlenteer
Die äußerliche Behandlung mit Teeren zählte bis vor einigen Jahren noch zur Standardtherapie bei Psoriasis. Schließlich werden diverse Hautkrankheiten seit mehr als 100 Jahren mit Teeren behandelt. Steinkohlenteer ist ein Destillationsprodukt aus Kohle mit einer großen Anzahl unterschiedlicher Inhaltsstoffe. Die Wirkung wird verglichen mit moderneren Medikamenten mittlerweile eher als schwach eingestuft.
Vorteile:
- Hemmt bestimmte Enzyme, verlangsamt so das Zellwachstum und wirkt der Schuppenbildung entgegen
- Lindert Entzündungen
- Kann mit Fototherapie kombiniert werden
Nachteile:
- Nicht für die Anwendung bei nässenden und/oder stark geröteten Herden geeignet
- Darf nicht während Schwangerschaft, Stillzeit oder bei Kleinkindern angewandt werden
- Ganz besondere Vorsicht ist geboten bei Anwendung in Körperfalten und im Intimbereich
- Wird als Monotherapie nicht mehr empfohlen
2. Die Bestrahlungstherapie
UV-B-Therapie
Für die dermatologische Lichttherapie wird überwiegend UV-B-Licht verwendet. Man unterscheidet hierbei in Breitspektrum- und Schmalspektrum-UV-B-Therapie. Bei der Breitspektrum-Therapie (280-320 nm) wird der gesamte Körper in speziellen Kabinen bestrahlt. Anzahl und Dauer der Sitzungen richten sich nach dem jeweiligen Hauttyp sowie der Ausweitung und Intensität der Psoriasis. Bei der UV-B-Schmalspektrum-Therapie bzw. der selektiven UV-Fototherapie (SUP) (311 nm) wird eine spezielle Leuchtstoffröhre zur punktuellen Behandlung betroffener Hautareale verwendet. Oftmals wird die energiereiche UV-B-Strahlung zusätzlich mit Medikamenten wie Kortikosteroiden oder Vitamin D3-Abkömmlingen kombiniert.
Vorteile:
- Gilt als Standardtherapie bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis
- Hemmt die übermäßige Zellaktivität durch Beeinflussung immunbiologischer Prozesse
- Größere Hautbereiche können problemlos behandelt werden
Nachteile:
- Als akute Nebenwirkung ist vor allem der Sonnenbrand zu nennen, der sowohl leichte Hautrötungen als auch schwerere Verbrennungen, sprich Bläschenbildung, implizieren kann
- Langfristig könnte ein erhöhtes Krebsrisiko bestehen
- Recht zeitintensiv
PUVA-Therapie
Auch als Photochemotherapie bekannt. Die Bezeichnung „PUVA-Therapie“ setzt sich aus einer Kombination von UV-A-Bestrahlung und Psoralenen zusammen. Letztere sind Medikamente, die die Lichtempfindlichkeit steigern, um eine stärkere Wirkung zu erzielen. Diese Methode wurde in den 1970ern speziell für die Behandlung der Psoriasis entwickelt. Die „Lichtempfindlichkeitssteigerer“ können sowohl in Form von Tabletten, Creme oder über das Badewasser mittels speziellen Zugaben über die Haut aufgenommen werden.
Vorteile:
- Hat sich insbesondere bei der Behandlung von Psoriasis vulgaris bewährt
- Eine Kombination mit topischen
Medikamenten wie Kortikoiden oder Vitamin D3-Derivaten ist möglich.
Nachteile:
- Bei zu langer Bestrahlungszeit kann ein leichter bis schwerer Sonnenbrand hervorgerufen werden
- Durch langfristige Anwendung kann es zur vorzeitigen Hautalterung kommen
- Bei langfristiger Anwendung besteht möglicherweise ein erhöhtes Hautkrebsrisiko
Lasertherapie
Mit dem Excimer-Lasersystem aus den USA (305-315 nm, wobei 311 nm als Optimum gelten) ist es möglich, das UV-B-Licht gezielt auf die betroffenen Hautareale zu applizieren, ohne dass die gesunde Haut Schaden trägt. Durch die punktgenaue Behandlung ist eine Bestrahlung mit einer hohen Dosis an UV-B-Licht möglich.
Vorteile:
- Die gesunde Haut wird bei der Behandlung nicht angegriffen, dadurch wird das Risiko für Hautschädigungen reduziert
- Relativ schnelle Wirkweise, dadurch sind weniger Sitzungen notwendig
- Durch die hoch dosierte Bestrahlung kann in der Regel auf weitere Medikamente verzichtet werden
Nachteile:
- Als Begleiterscheinung der Therapie treten in den meisten Fällen Hautrötungen auf
- Bei besonders hoch dosierter Strahlung kann es zu Sonnenbrand mit Bläschenbildung kommen
- keine großflächige Behandlung
3. Die systemische Therapie
Acitretin
Der Wirkstoff Acitretin zählt ebenso wie Tazaroten zu den Retinoiden, sprich zu den Vitamin A-Analoga. In der monotherapeutischen Anwendung hat Acitretin im Vergleich zu anderen Medikamenten eine schwächere Wirksamkeit. In Kombination mit der PUVA-Therapie jedoch, kann eine Wirkungsverstärkung erzielt werden.
Vorteile:
- Eine Kombination z. B. mit Lokaltherapeutika wie Kortikoiden und Vitamin D3-Analoga ist möglich
- Wie bereits erwähnt, hat der Wirkstoff in Kombination mit der PUVA-Therapie eine höhere Wirksamkeit
Nachteile:
- Vor allem bei höherer Dosierung kann es zu Mund- und Augentrockenheit sowie zu spröden Lippen kommen
- Acitretin ist fruchtschädigend, d.h., der Wirkstoff darf weder von Frauen in der Schwangerschaft oder während der Stillzeit noch von Frauen im gebärfähigen Alter eingenommen werden
Fumarsäureester
Werden auch als Fumarate bezeichnet. Die im Allgemeinen positive Wirkung auf die erkrankte Haut ist bereits seit 1959 bekannt. Die Therapie mit Fumarsäureester eignet sich speziell für die Behandlung von Psoriasis vulgaris.
Vorteile:
- Reguliert die zu schnelle Zellerneuerung der Haut und hat entzündungshemmende Wirkung
- Nebenwirkungen sind durch regelmäßige Laborkontrollen beherrschbar
- Wegen des günstigen Nutzen-Risiko-Profils werden Fumarsäureester insbesondere für die Langzeittherapie empfohlen.
Nachteile:
- Häufigste Nebenwirkung ist eine Störung des Magen-Darm-Traktes, die sich u.a. durch Unwohlsein und Durchfall äußern kann
- Typische Begleiterscheinungen sind aufsteigende Hitze und ein gerötetes Gesicht sowie Kopfschmerzen, die nach wenigen Minuten, aber auch erst nach einigen Stunden nachlassen können
Ciclosporin
Eingesetzt wird dieser Wirkstoff seit den frühen 1980ern nach Organverpflanzungen. Hierbei verhindert Ciclosporin, dass der Körper das fremde Organ ablehnt. Nachdem sich eine positive Wirkung nach Einnahme des Medikaments bei Patienten mit Schuppenflechte zeigte, wurde Ciclosporin auch zur Behandlung bei Psoriasis zugelassen. Der Wirkstoff hemmt die Aktivität der Entzündungszellen.
Vorteile:
- Wird überwiegend bei der Behandlung von Psoriasis vulgaris eingesetzt, ist aber auch bei Erythrodermie, d.h., bei Befall des gesamten Körpers, wirksam
- Meist ist bereits nach kurzer Anwendung (4 bis 6 Wochen) eine erste Hautverbesserung zu erkennen
- Bei Patienten, die besonders auf den Wirkstoff ansprechen, kann nahezu eine völlige Erscheinungsfreiheit erzielt werden
Nachteile:
- Zu den Nebenwirkungen zählen oftmals Einschränkung der Nierenfunktion, Entstehung oder Verschlechterung des Bluthochdrucks, verstärkter Haarwuchs sowie Zahnfleischwucherungen und Müdigkeit
- Regelmäßige Kontrollbesuche beim Arzt, wobei die Nieren-, Blut,- Leber- und Blutfettwerte gemessen werden, sind daher unumgänglich
- In Einzelfällen kann es – insbesondere bei Patienten, die mehrmals die PUVA-Therapie angewandt haben – zur Entwicklung von oberflächlichen Hauttumoren kommen
Methotrexat
Methotrexat, kurz MTX, findet bereits seit den 60er Jahren
Anwendung in der innerlichen Behandlung von Psoriasis. Ursprünglich wurde der
Wirkstoff allerdings für die Behandlung von Krebs entwickelt.
Vorteile:
- Hemmt Entzündungen der Haut und verlangsamt das Zellwachstum
- Findet Anwendung bei schweren therapieresistenten Fällen
Nachteile:
- Wie zu erwarten weist Methotrexat als Cytostatikum auch eine Reihe von Nebenwirkungen auf. Hervorzuheben sind Leberschäden, Nierenschädigungen, Blutbildveränderungen, Störungen der Spermatogenese und der Ovulation sowie teratogene Schäden.
- Während und in den drei Monaten nach der Methotrexatbehandlung müssen kontrazeptive Maßnahmen ergriffen werden. Die Toxizität von Methotrexat wird durch zahlreiche Medikamente verstärkt.
- Eine Behandlung mit Methotrexat ist grundsätzlich eine den Patienten stark belastende Therapieform, die zudem einen sehr hohen Überwachungsaufwand erfordert und in die Hand eines Spezialisten gehört.
Biologicals
Außerdem sind einige Medikamente der
relativ neuen Präparategruppe Biologicals erhältlich. Die Biologicals hemmen z. B. gezielt die Funktion der T-Zellen, die
wahrscheinlich maßgeblich am Ausbruch der Hautkrankheit beteiligt sind.

